MÜNCHEN In vielen bayerischen Städten und Gemeinden demonstrieren derzeit die Hebammen für bessere Vergütung und gegen den neuen Hebammenhilfe-Vertrag. Unterstützung erhalten sie von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger: "Es kann nicht sein, dass wir über Fachkräftemangel klagen, aber gleichzeitig denjenigen, die die Arbeit machen, Knüppel zwischen die Beine werfen. Wer die Versorgung im ländlichen Raum sichern will, darf die wirtschaftliche Basis der Beleghebammen nicht durch praxisferne Abrechnungsmodelle und massive Einkommensverluste zerstören. Genau dies ist aber das Ergebnis des neuen Hebammenhilfevertrags, der seit November 2025 in Kraft ist." Durch die Umstellung auf minutengenaue Dokumentation und die Kürzung der Vergütung bei Mehrfachbetreuungen drohen vielen Beleghebammen Umsatzverluste von bis zu 30 Prozent.
Aiwanger sieht das Problem der Beleghebammen als beispielhaft für die Situation vieler Freier Berufe: "Ob Hebammen oder Apotheker – viele Freie Berufe gerade im Gesundheitswesen ächzen unter explodierender Bürokratie, steigenden Kosten bei stagnierenden Einnahmen. Wir brauchen für die Freien Berufe wieder mehr Freiheit statt Fesseln. Wir brauchen keine neuen Excel-Tabellen im Kreißsaal, sondern Planungssicherheit und eine faire Bezahlung für erbrachte Leistungen.“
Deshalb fordert der Wirtschaftsminister die Rücknahme der Honorarkürzungen bei Parallelbetreuungen im Hebammenhilfe-Vertrag, die Abschaffung der kleinteiligen Zeitmessung und einen dauerhaften Schutzschirm für die explodierenden Versicherungsprämien, damit die Freiberuflichkeit in der Geburtshilfe versicherbar bleibt. Aiwanger: "Wir dürfen nicht zusehen, wie ein Berufsstand nach dem anderen in die Knie geht, weil die Rahmenbedingungen nicht mehr zur Realität passen. Wir brauchen die Hebammen, und die Hebammen brauchen eine wirtschaftliche Perspektive. Hier müssen alle Beteiligten auf Bundesebene jetzt liefern und die Situation der Hebammen nachhaltig verbessern. Ich fordere den Präsidenten des GKV-Spitzenverbandes, Herrn Oliver Blatt, auf, hier umgehend tätig zu werden und mit den Hebammenverbänden nachzuverhandeln."
Die Freien Berufe haben mit ihrer Bandbreite existentielle Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft. Das Spektrum ist vielfältig – von Heilberufen über rechts-, wirtschafts- und steuerberatende Berufe, den Unterrichts- und Erziehungsbereich, die technische und naturwissenschaftliche Sparte, Medien, Information und Kommunikation, bis hin zu Kultur- und Umweltberufen. Sie sind bedeutender Arbeitgeber, denn rund 11 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bayern sind in freiberuflichen Unternehmen angestellt. Im freiberuflichen Dienstleistungssektor ist zudem die Selbstständigkeit stark ausgeprägt. In Bayern beträgt der Anteil der Freien Berufe an allen Selbstständigen 42,6 Prozent.
Ansprechpartnerin:
Tanja Gabler
Stv. Pressesprecherin
Pressemitteilung-Nr. 45/26

