MÜNCHEN Die Freien Berufe sollen Wirtschaft und Verbraucher unabhängig von Kapitalinteressen objektiv beraten – das gehört zu den Grundprinzipien der Freien Berufe in Deutschland. EU-Recht und steigender Kapitalbedarf haben dieses Prinzip gelockert und die Beteiligung von Investoren an Kanzleien von Freiberuflern, wie den Steuerberatern, ermöglicht.
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sieht dadurch die Unabhängigkeit dieser Berufe gefährdet: "EU-Regelungen haben ein Einfallstor für Finanzinvestoren geschaffen, die möglicherweise kurzfristige und kurzsichtige Gewinninteressen vertreten und weniger das Interesse der Klienten. Sobald jemand formal als Mitarbeiter aufgelistet wird, kann er sich auch finanziell an der Gesellschaft beteiligen. Damit werden Steuerberatungen, Anwaltskanzleien oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zum Spielball für Spekulanten. Die Unabhängigkeit der Freien Berufe ist in Gefahr. Das dürfen wir nicht zulassen."
Im Bundesrat fordert Bayern deshalb, das sogenannte Fremdbesitzverbot stärker durchzusetzen. "Die Unabhängigkeit von Anwälten, Steuerberatern oder Wirtschaftsprüfern ist nicht nur für die Mandanten, sondern für unsere ganze Gesellschaft von erheblicher Bedeutung. Sie erhalten tiefe Einblicke in vertrauliche Betriebsinterna und Geschäftsvorfälle. Ich fordere deshalb, dieses Schlupfloch zu schließen, indem das Fremdbesitzverbot und damit die Freien Berufe in ihrer Unabhängigkeit gestärkt werden. Kapitalbeteiligungen können nur erfolgen, soweit sie diese Prinzipien nicht gefährden und weiterhin eine unabhängige Beratung der Klienten gewährleistet ist."
Zu diesem Thema wird der Wirtschaftsminister in den nächsten Wochen mit Bundestagsabgeordneten sprechen, um sie für das Thema zu sensibilisieren.
Ansprechpartnerin:
Dr. Aneta Ufert
Stellv. Pressesprecherin
Pressemitteilung-Nr. 126/26

