Aiwanger und Glauber: "Kameraabschaltsystem kann Vögel vor Windrotoren schützen"

MÜNCHEN/FUCHSTAL Mit einem kamerabasierten Abschaltsystem sollen Artenschutz und Windkraftanlagen in Zukunft besser vereinbar sein. In der Gemeinde Fuchstal (Landkreis Landsberg) testet ein Forschungsprojekt ab Frühjahr 2022 eine solche Einrichtung speziell an einem Waldstandort. Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger: „Wenn sich die Windräder zuverlässig abschalten, sobald sich große Vögel nähern, lösen wir mehrere Probleme gleichzeitig: Die Rotoren müssen nicht mehr präventiv längere Zeit stillstehen, etwa bei Erntearbeiten. Und viele Vogelarten werden besser geschützt, wenn das Abschaltsystem dauerhaft in Betrieb ist. So steigert sich die Wirtschaftlichkeit von Windenergieanlagen erheblich. Auch schwierigere Standorte können dann besser erschlossen und die Energiewende so unterstützt werden.“

 

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber betonte: "Klimaschutz ist eines der größten Themen unserer Zeit. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist für den Klimaschutz unerlässlich. Wir brauchen auch die Windkraft, wenn wir beim Klimaschutz erfolgreich sein wollen. Die Energiewende und der notwendige Schutz der Natur dürfen kein Widerspruch sein. Die Erprobung des Kameraabschaltsystems ist ein wichtiger Schritt, um Windkraft und Artenschutz in Einklang zu bringen."

 

"Wir begrüßen die Förderung außerordentlich und haben bereits die erforderlichen Arbeiten geleistet, um mit der Umsetzung des Projekts jetzt starten zu können. Uns liegt unsere Natur und der Artenschutz sehr am Herzen und wir sind überzeugt, dass Anlagen für erneuerbaren Energien allen nutzen", erklärt Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg.

 

Das Forschungsvorhaben soll zeigen, welche Kriterien kamerabasierte Kollisionsvermeidungssysteme erfüllen müssen, damit sie im Genehmigungsverfahren als technische Vermeidungsmaßnahmen an konfliktreichen Standorten anerkannt werden. Die Ergebnisse wirken sich auf die Genehmigungspraxis in Bayern aus.

 

Im südlichen Waldgebiet der Gemeinde Fuchstal wird zunächst eine Untersuchung mit zwei Kamerasystemen an zwei zu errichtenden Türmen zu Beginn der Brutsaison 2022 starten. Bis zum Bau der drei Windenergieanlagen und der tatsächlichen Inbetriebnahme im Herbst 2023 simuliert eine virtuelle Anlage die vogelbedingte Abschaltung der Rotoren. Mit ersten Forschungsergebnissen für einen Waldstandort aus dieser Projektphase wird ab Ende 2022 gerechnet.

 

Nach der Errichtung der Windenergieanlagen wird das Kamerasystem im Realbetrieb bis ins Jahr 2026 getestet. Dadurch wird auch eine wertvolle Vorher-Nachher-Analyse ermöglicht, die Erkenntnisse bringen soll, wie sich beispielsweise der Rotmilan vor und nach dem Bau der Windenergieanlagen verhält.

 

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) ist für die wissenschaftlichen Arbeiten des Projekts zuständig. Die Projektkoordination ist am Landesamt für Umwelt (Vogelschutzwarte) angesiedelt. Eine Projektbegleitende Arbeitsgruppe unter Beteiligung auch des Kompetenzzentrums für Naturschutz und Energiewende ist ebenfalls in die Untersuchungen eingebunden.

 

Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie fördert das für den weiteren Ausbau der Windenergie gerade im waldreichen Bayern wichtige Projekt mit 1,3 Millionen Euro und finanziert vor allem den Bau der Türme und das Leasing der Kamerasysteme. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz finanziert die wissenschaftliche Beteiligung und eine Projektstelle am Landesamt für Umwelt mit insgesamt 1,1 Millionen Euro.

 

Ansprechpartnerin: 

Katrin Nikolaus,

stellv. Pressesprecherin 

 


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