Netzausbaubedarf

Das sogenannte NOVA-Prinzip ist die Basis jeglicher Netzplanung. NOVA steht für „Netz-Optimierung vor Verstärkung vor Ausbau". Es bedeutet, dass ein Ausbau des Netzes nur dann in Betracht kommt, wenn alle Möglichkeiten der Optimierung und Verstärkung bestehender Leitungen ausgeschöpft sind. 

Bestimmung des Ausbaubedarfs im Übertragungsnetz in Deutschland

Das Übertragungsnetz dient dem Transport von Strom über große Distanzen. Der Ausbaubedarf im Übertragungsnetz wird in drei Schritten ermittelt:

1. Szenariorahmen

  • Was ist das? Der Szenariorahmen umfasst mindes­tens drei Szenarien, die zeigen, wie sich der Strom­verbrauch und die Stromerzeu­gung in Deutsch­land voraus­sicht­lich entwickeln werden.

  • Wie entsteht er? Der Szenariorahmen wird alle zwei Jahre von den vier deutschen Über­tra­gungs­netzbetreibern entworfen bzw. aktualisiert. Der Auf­trag dazu ergibt sich aus dem Energie­wirtschafts­gesetz. Die Öffentlich­keit kann Stellung nehmen, bei begründeten Einsprüchen müssen die Netz­­­­­betreiber den Entwurf an­pas­sen. Die Genehmigung erfolgt durch die Bundesnetz­agentur.

2. Netzentwicklungsplan

  • Was ist das? Der Netzentwicklungsplan enthält alle Maßnahmen zur Opti­mierung, Verstär­kung und zum Ausbau des Netzes, die in den nächs­­ten 10 bis 15 Jahren für einen zuverlässigen Netzbetrieb erfor­der­lich sind.

  • Wie entsteht er? Der Netzentwicklungsplan wird auf Basis des Szenario­rahmens alle zwei Jahre von den Übertra­­gungs­­netzbetreibern erstellt be­zie­hungs­weise aktualisiert. Sie berücksichti­gen Ein­wendungen der Öffent­lichkeit. Die Bun­des­­­netzagentur prüft den Plan, veranlasst gegebe­nen­falls Ände­rungen und bestätigt ihn anschließend. Der zuge­hö­rige Umweltbericht zeigt Umwelt­aus­wir­kungen durch die im Plan enthal­tenen Maßnahmen auf.

3. Bundesbedarfsplan

  • Was ist das? Das Bundesbedarfsplangesetz enthält als Anlage den Bundes­bedarfs­plan. Hierin sind alle Leitungsprojekte gelistet, die ver­bind­­­lich umzuset­zen sind. Welche Maßnahmen beim jewei­ligen Leitungs­pro­jekt geplant sind – also zum Beispiel Optimierung, Ver­stärkung oder Neubau – steht im Netz­entwicklungs­plan. Für neue Leitungen sind die An­fangs- und End­punkte fest­­gelegt, keine Leitungs­verläufe.

  • Wie entsteht er? Die Bundes­netz­agentur übermittelt den bestätigten Netz­entwick­lungs­­plan samt Umwelt­bericht spätestens alle vier Jahre an die Bun­des­regierung – bei größeren Änderun­gen gegenüber der Vorgänger­version alle zwei Jahre. Die Bundes­­regierung legt die Unterlagen dem Bun­destag und Bundesrat vor. Diese entschei­den darüber, welche Lei­tungs­­maßnah­men tatsächlich umgesetzt werden sollen und verankern sie im Bundes­bedarfs­plan(­ge­setz).

Weitere Informationen zu den einzelnen Verfahrensschritten finden Sie bei der Bundesnetzagentur.

Beteiligungsmöglichkeiten

In den Stufen 1 (Szenariorahmen) und 2 (Netzentwicklungsplan + Umweltbericht) zur Ermittlung des Ausbaubedarfs im Übertragungsnetz werden die Planungsunterlagen wiederholt öffentlich ausgelegt.

Als Bürger oder Träger öffentlicher Belange haben Sie die Möglichkeit, sich zu den Planungen zu äußern. Diese Äußerungen und Einwände werden im weiteren Verfahren berücksichtigt. Nähere Informationen finden Sie auf den Internetseiten der Bundesnetzagentur und der Übertragungsnetzbetreiber.

Bestimmung des Ausbaubedarfs im Verteilnetz in Deutschland

Das Verteilnetz transportiert den Strom von den Übergabepunkten des Übertragungsnetzes zu den Endverbrauchern. Zur Bestimmung des Ausbaubedarfs im Verteilnetz gibt es kein deutschlandweit einheitliches Verfahren. Die zuständigen Verteilnetz­betreiber übernehmen eigen­verantwortlich die Netzausbauplanung. Daten, die den Verteilnetz­betreibern bei ihren Planungen helfen, sind zum Beispiel die installierte Erzeugungsleistung und -art sowie das Abnahmeverhalten der einzelnen Verbraucher.

Für die höchste Spannungsebene des Verteilnetzes, die Hoch­spannungs­ebene (110 kV), erstellen die Verteilnetz­betreiber sogenannte Netz­ausbau­pläne. Diese finden Sie auf den Internet­seiten der jeweiligen Verteilnetz­betreiber.