Tiefengeothermie

Im südbayerischen Raum bietet sich mit dem Thermalwasservorkommen in den Malmkarbonaten die Möglichkeit einer geothermischen Nutzung aus einer heimischen Energiequelle. Dies ist die größte direkt nutzbare Geothermielagerstätte West- und Mitteleuropas, die aufgrund der angetroffenen Thermalwassertemperaturen von 35 bis max. 165 °C bei Ergiebigkeiten von 40 bis max. 200 l/s je nach Tiefenlage und Gebiet vor allem für die geothermische Wärmeversorgung, ggf. auch Kälteerzeugung, genutzt werden kann. Bei Temperaturen von mehr als 115 °C wird in Bayern bei entsprechenden Thermalwasserzuflüssen über ORC-Anlagen auch Strom erzeugt. Bisher sind 23 Anlagen in Betrieb, davon 6 für die geothermische Stromerzeugung, weitere sind im Bau.

Die Vorteile der Geothermie sind:

  • Es handelt sich um eine heimische Energiequelle, dies bedeutet Versorgungssicherheit für mehrere Jahrhunderte.
  • Sie ist grundlastfähig im Wärme und Strombereich.
  • Die Nutzung der Geothermie beansprucht nur einen geringen Platzbedarf und damit Flächenverbrauch sowie Eingriff in Natur und Landschaft.
  • Anders als bei der Energiegewinnung aus Wind und Sonne ist keine Speicherung notwendig.
  • Für Kommunen und Wirtschaft besteht die Möglichkeit des Aufbaues einer dezentralen Energieversorgung.
  • Geothermie bietet ein hohes Substitutionspotenzial im Wärmebereich für Öl und Gas und vermindert damit die Importabhängigkeit.
  • Geothermie hat von allen erneuerbaren Energieträgern die beste Klimaschutzbilanz.

Das bisher in Tiefen von 800 m bis 5.000 m über Tiefbohrungen in Bayern erschlossene geothermische, hydrothermale Potenzial liegt derzeit bei ca. 380 MW für die Wärmenutzung und ca. 36 MW für die Stromerzeugung. Nach Berechnungen wissenschaftlicher Institute wäre das hydrothermale Potential Bayerns ausreichend, bis zu 30 Prozent des bayerischen Wärmebedarfs aus der Geothermie zu decken, soweit entsprechende Wärmenetze zum Transport und zur Verteilung der Wärme vorhanden sind. Das Potential der Stromerzeugung ist deutlich geringer und wird nach den bisherigen Bohrergebnissen auf max. 150 MW geschätzt; genaue Prognosen hierzu sind aufgrund der Heterogenität der geologischen Verhältnisse nicht möglich.